Die Aufgabe des Bürgermeisters nach dem Gesetz lautet: Führung der Verwaltung nach den Grundsätzen des Rates und nicht Führung nach Gutsherrnart. Der Erfolg der Stadt hängt von motivierten und engagierten Beschäftigten ab. Der Rat will deshalb eine Führungskultur, in der die Beschäftigten sich von der Leitung wertgeschätzt und unterstützt fühlen und auch offen ihre Meinung sagen können. Das sind die Grundsätze des Rates, an denen sich der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin nach der Gemeindeordnung zu richten hat.
Zu einer modernen Verwaltungsführung gehört, dass der Bürgermeister Befugnisse auf Mit-arbeitende delegiert. Dies führt zu einer Verkürzung und Vereinfachung der Entscheidungswege und erhöht die Motivation der Mitarbeiterschaft. Das ist auch die gängige Praxis in allen funktionierenden Kommunen mit guter Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlicher und haupt-
amtlicher Verwaltung, genau wie in gut funktionierenden Unternehmen mit komplexer Aufgabenstruktur. Es ist unpraktikabel, wenn alle Vorgänge zwischen Rat und Stadtverwaltung über den Tisch des Bürgermeisters gehen müssen, zumal, wenn sie dann dort liegenbleiben.
Herr Kaser wirkt in der Außendarstellung meist nett und freundlich, intern verhält er sich jedoch auch anders und kann mit Kritik nicht umgehen. Sein Verhalten ist dann übergriffig und aggressiv. Die Öffentlichkeit konnte dieses beispielhaft in der Ratssitzung vom 22. Februar 2024 beobachten. Nachdem Kritik durch die Ratsmitglieder an seinem Führungsverhalten ge-übt wurde, reagierte er wenig souverän mit einer ungerechtfertigten Attacke auf die Arbeit eines Ratsmitglieds, ohne auf die eigentliche Kritik sachlich einzugehen. Diese Reaktion war noch gebremst durch die vorhandene Öffentlichkeit. (Zu seinem internen Verhalten siehe auch den Abschnitt „Disziplinarverfahren des Innenministeriums gegen Herrn Kaser“.
Die Befragung der Beschäftigten im Herbst 2023 offenbarte eine alarmierende Situation im Rathaus. An der Befragung hatten 71 % der Beschäftigten aus dem Rathaus teilgenommen, von denen 94 % angaben, der Bürgermeister wäre für die schlechte Stimmung und Demotivation im Rathaus verantwortlich. Schon im Frühjahr 2023 hatte sich ein Bild der Unzufriedenheit im Rathaus abgezeichnet. Anstatt als Führungskraft angemessen auf eine solche Situation zu reagieren, wurden diese Befunde immer wieder von Herrn Kaser kleingeredet und durch unsachgemäße Vergleiche relativiert bzw. durch Rücküberweisungen eine angemessene Reaktion verzögert (bis hin zum Ausbleiben einer solchen Reaktion). So wurde wiederholt die Rücklaufquote moniert, obwohl eine Rücklaufquote von 50 % oder höher dafürspricht, dass eine Umfrage für eine definierte Zielgruppe sorgfältig geplant und durchgeführt wurde. Wäre es ein ernsthaftes Anliegen gewesen, die Repräsentativität der Umfrageergebnisse abzusichern, hätte dies durch geeignete Maßnahmen erfolgen können.
Auffällig in öffentlichen Verlautbarungen ist, dass der Bürgermeister zunächst seine Person bei Erfolgen in den Vordergrund stellt und dabei „vergisst“ er dann regelmäßig die Erfolge seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu würdigen. So stellt er beispielsweise den Fortschritt bei den Haushaltskonsolidierungen immer wieder als seinen Erfolg dar. Tatsächlich haben diese Lorbeeren aber ein Fachbereichsleiter und der Kämmerer der Stadt Wedel verdient. Es gibt zwar pauschale Hinweise auf die gute Arbeit der Mitarbeitenden bei öffentlichen Auftritten, die konkreten Erfolge werden aber nicht personalisiert, so dass das gute Ergebnis am Ende dem Vortragenden zugutegehalten werden (müssen).
Neben mangelnder Motivierung stellt aktive Demotivierung ein Problem dar. Verschiedene Beschäftigte fühlen sich durch das Führungsverhalten von Herrn Kaser bedroht und unter Druck gesetzt. Solch ein Erlebnis beschreibt auch eine Ratsfrau:
„Ich hatte in einer Ratssitzung eine für Herrn Kaser unangenehme Frage gestellt. Dabei ging es um einen Antrag, der seit Wochen im Rathaus verschollen, da nicht weiterbearbeitet war. Ich vermutete, dass dieser im Zuge der Anweisung „Alles über meinen Tisch“ dort seit ca. 10 Wochen lag und fragte Herrn Kaser, ob dies der Fall sei. Es war deutlich, dass ihm diese Anfrage missfiel. Wütend darüber nutzte Herr Kaser eine kurze Sitzungsunter-brechung und kam zu meinem Platz. In einer für mich durchaus bedrohlichen Körperhaltung beugte er sich zu mir herunter, was ich als sehr einschüchternd empfand, und fragte mich: „Was fällt Ihnen ein, diese Frage zu stellen! Woher haben Sie diese Informationen? Das hat ein Nachspiel!“ Andere Ratsmitglieder bekamen diesen Vorfall mit. Als Herr Kaser dieses realisierte, wandte er sich ab und ging zurück zu seinem Platz, augenscheinlich fühlte er sich ‚erwischt‘.“