Die Park and Ride (P+R)- Anlage in Wedel am S-Bahnhof ist ein zentraler Bestandteil der städtischen Infrastruktur. Seit einem Brand im Juli 2025 ist das Gebäude gesperrt. Jüngste Vorkommnisse haben die ohnehin schwierige Situation vor Ort weiter verschärft, weshalb das Thema in der vergangenen Ratssitzung am 10. September 2026 erneut auf der Tagesordnung stand. Das Gebäude bleibt für die Öffentlichkeit weiterhin nicht nutzbar.
Die Situation vor Ort
Die Situation hat sich durch den Diebstahl von Stromkabeln im Untergeschoss der Anlage verschlechtert, was zum Stillstand der Drainagepumpe geführt hat. Dies hat unmittelbare Folgen für das Umfeld der Anlage, insbesondere für den Rad- und Fußverkehr:
- Das untere Parkdeck sowie der umlaufende Rad- und Fußweg sind infolge des Pumpenausfalls überflutet.
- Die Überflutung zwingt Radfahrende und Fußgänger zu Umwegen über das Gelände des ZOB.
- Die aktuelle Wegführung ist unübersichtlich, da der Auweidenweg abrupt auf dem Pflaster des ZOB endet und die Verkehrsteilnehmer sich zwischen Bussen und Pkw orientieren müssen.
Politischer Vorstoß: Aus Antrag wird Prüfauftrag
Um die Verkehrssicherheit zu verbessern und mögliche Gebäudeschäden durch das stehende Wasser abzuwenden, reichte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag zur Ratssitzung ein. Die Forderungen umfassten unter anderem:
- Die Verwaltung soll die Drainage-Pumpe schnellstmöglich durch neue Kabel ans Stromnetz anschließen, um das Untergeschoss sowie die betroffenen Wege trockenzulegen.
- Sollte diese Instandsetzung nicht umsetzbar sein, müssen zeitnah alternative Lösungen zur Wiederherstellung der Passierbarkeit von Rad- und Fußweg gefunden werden.
- Auf dem ZOB beziehungsweise dem oberen Parkdeck sollen zur sicheren Wegführung Radwegmarkierungen oder ein Schutzstreifen in Richtung Mühlenstraße aufgebracht werden.
- Ein hoher Kantstein am Übergang zum ZOB soll zudem nach Möglichkeit abgesenkt werden.
- Die Politik forderte von der Verwaltung eine detaillierte Mitteilungsvorlage mit einer zeitlich strukturierten Projektplanung für die anstehende Sanierung der P+R-Anlage.
In der Ratssitzung am 10. September 2026 wurde im Verlauf der Beratungen beschlossen, den ursprünglichen Antrag in einen Prüfauftrag an die Verwaltung umzuwandeln. Das bedeutet, dass das Rathaus nun offiziell beauftragt ist, die Machbarkeit und die konkreten Umsetzungsschritte der geforderten Maßnahmen detailliert zu prüfen.
Hintergrund zu Statik und Verhandlungen
Hintergrund all dieser Diskussionen ist, dass die P+R-Anlage ein wesentlicher Baustein im Mobilitätskonzept unserer Stadt ist. Zwar ergab ein Gutachten nach dem Brand keine Bedenken hinsichtlich der grundlegenden Baustatik, die Regulierungsverhandlungen mit der Versicherung dauern jedoch weiterhin an. Zudem bleiben Teile der oberen Ebene auf unabsehbare Zeit für Busse gesperrt, da noch verlässliche Einschätzungen darüber fehlen, ob das Bauwerk den Belastungen und Erschütterungen durch den Busverkehr standhält. Bürgerinnen und Bürger, die ihr Fahrzeug für längere Zeit am Bahnhof abstellen möchten, können ab Ende September alternativ auf das neue, kostenpflichtige Medac-Parkhaus am Rosengarten ausweichen.
Wir brauchen bei diesem Thema nicht zwingend politischen Aktionismus in Form von neuen Anträgen. Es ist fest davon auszugehen, dass die Verwaltung bereits daran arbeitet, die Drainage wieder gangbar zu machen. Solche Anträge – auch wenn sie am Ende in Prüfaufträge umgewandelt werden – binden Kapazitäten in der Verwaltung und kosten Zeit sowie Geld. Beides sind Ressourcen, die wir in Wedel schlichtweg nicht haben.
Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass die P+R-Anlage schon weit vor dem Brand in einem katastrophalen Zustand war. Ein Gutachten zur Schadensbeurteilung aus dem Jahr 2022 bescheinigte dem Bauwerk eine Zustandsnote von 2,7 (auf einer Skala bis3) und wies darauf hin, dass die Dauerhaftigkeit beeinträchtigt sei und eine kurzfristige Schadensbeseitigung erforderlich wäre. Die Verwaltung hatte der Politik im Februar 2024 bereits einen detaillierten Variantenvergleich zur Sanierung vorgelegt. Diese Varianten reichten von der reinen Aufgabe des Parkbereichs bis hin zu einem kompletten Abbruch mit anschließendem Neubau eines ZOB und einer Tiefgarage für über 15,7 Millionen Euro.
Selbst wenn die Versicherung den entstandenen Brandschaden reguliert, wird diese Summe bei Weitem nicht ausreichen, um die bereits im Vorfeld marode Anlage vollständig instand zu setzen. Warum also im Klein-Klein verstricken? Wir wissen, dass massive Investitionen unumgänglich sind, und wir wissen ebenso, dass die Stadtkasse leer ist. Daher müssen wir nach echten Alternativen suchen. Wir hatten dazu bereits einen Antrag im Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss (UBF) eingebracht, um eine mögliche Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP) zu prüfen. Dieser Vorstoß wurde zwar verschoben, da direkt nach dem Brand zu viele Dinge unklar waren, aber ich bin der festen Überzeugung: Wir sollten trotzdem genau jetzt schon ein paar Schritte weiter denken, um eine nachhaltige Lösung für Wedel zu finden.
Informiert bleiben – Der Newsletter für Wedel.
Abonnieren Sie meinen Newsletter und erhalten Sie fundierte Analysen zur Wedeler Kommunalpolitik direkt in Ihr Postfach.