Ernüchterung statt Euphorie: Was das Scheitern in Tornesch und Holm für Carsharing in Wedel bedeutet

In Wedel wurde der Beschluss zur Ausschreibung eines Carsharing-Angebots unter anderem mit dem Verweis auf das erfolgreiche Modell "Dorfstromer" in der Nachbargemeinde Holm getroffen. Auch die Grünen verwiesen in ihrem Antrag auf das Potenzial des Projekts und forcierten die Umsetzung – trotz offener Fragen zur Finanzierung und wirtschaftlichen Tragfähigkeit. Ein aktueller Bericht in der SHZ vom 5. Januar 2026 zeichnet nun ein deutlich ernüchterndes Bild.

Holm: 40 Prozent Auslastung, monatliche Verluste

Seit Juli 2025 ist das Carsharing-Projekt „Dorfstromer“ in Holm aktiv. Nach einem halben Jahr liegt die Auslastung bei gerade einmal 40 Prozent. Das entspricht etwa 24 Stunden Fahrzeugnutzung im Monat – gebraucht werden aber mindestens 120 Stunden, um die Kosten zu decken. Die Differenz von rund 500 Euro monatlich übernimmt derzeit die Raiffeisenbank Elbmarsch. Selbst die Projektverantwortliche Uta Brodersen spricht von einer „gewissen Scheu vor dem Neuen“ – sowohl beim E-Auto selbst als auch bei der Bedienung der App.

Tornesch: Komplettes Aus für kommunales Angebot

Noch klarer ist die Bilanz in Tornesch. Dort wird das von den Stadtwerken Südholstein betriebene Angebot „Moin“ zum Jahresende eingestellt. Sechs Fahrzeuge erzielten dort durchschnittlich nur eine Fahrt pro Tag. Hinzu kamen hohe Reparaturkosten und Administrationsaufwand. Fazit der Stadtwerke: „Aufwand und Erlöse standen in keinem vertretbaren Verhältnis mehr.“

Was heißt das für Wedel?

Die Grünen hatten im UBF-Ausschuss argumentiert, dass das Modell des Dorfstromers tragfähig sei, und im Antrag betont, dass für die Stadt keinerlei Folgekosten entstünden. Beides ist nach heutiger Faktenlage mindestens fragwürdig. Denn sowohl Holm als auch Tornesch zeigen: Ohne dauerhafte Quersubventionierung oder ehrenamtlichen Einsatz rechnet sich ein solches Angebot nicht.

Stadtwerke und Stadtsparkasse haben in Wedel klargestellt, dass sie keine wirtschaftliche Absicherung übernehmen werden. Auch eine zusätzliche Infrastruktur (z. B. Ladesäulen) verursacht Kosten, die gedeckt werden müssen. Der Hinweis auf Holms „Erfolg“ war also mehr Wunsch als Wirklichkeit.

Fazit

Carsharing kann ein sinnvoller Baustein moderner Mobilität sein. Aber es braucht eine ehrliche Diskussion darüber, wie es konkret finanziert und dauerhaft betrieben werden soll. Politische Symbolprojekte, die auf schönen Broschüren und App-Icons beruhen, helfen nicht weiter. Die CDU Wedel steht solchen Ideen nicht grundsätzlich entgegen – aber sie fordert zu Recht: Erst rechnen, dann handeln.

Und vielleicht auch: Erst nachdenken, dann beantragen.

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