Das Ende der Kohle: Der Fahrplan für Wedel
Die Hamburger Energiewerke haben offiziell das Verfahren eingeleitet, um das Heizkraftwerk Wedel stillzulegen. Der entsprechende Antrag wurde Ende März nach dem Energiewirtschaftsgesetz (§13b EnWG) gestellt. Wenn alles nach Plan läuft, soll die Anlage ab dem 1. Juli 2027 außer Betrieb gehen.
Dieser Schritt ist kein Zufall, sondern eng an den Fortschritt auf der anderen Elbseite gekoppelt. Im zukünftigen „Energiepark Hafen“ auf der Dradenau entsteht derzeit eine moderne Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD), die das Kraftwerk in Wedel ablösen wird. Geplant ist, dass dieses neue System bereits Ende dieses Jahres in Betrieb geht.
Die zwei Stufen des Abschieds
Die Außerbetriebnahme erfolgt nicht durch einen einfachen Knopfdruck, sondern in einem kontrollierten, zweistufigen Prozess:
- Die Konservierung: Sobald die neue Anlage auf der Dradenau stabil läuft, geht das HKW Wedel in die Konservierung. Das bedeutet: Es wird keine Kohle mehr verbrannt. Es bleibt jedoch als „Back-up“ einsatzbereit und könnte im Notfall innerhalb einiger Wochen wieder hochgefahren werden.
- Die endgültige Stilllegung: Ab Juli 2027 folgt der irreversible Schritt. Sämtliche Betriebsmittel wie Öle und Chemikalien werden restlos entfernt. Danach kann das Kraftwerk nie wieder angefahren werden.
Worüber wird nun entschieden?
Auch wenn die Hamburger Energiewerke die Stilllegung forcieren, haben sie nicht das letzte Wort allein. Es gibt ein klares, behördliches Prüfverfahren:
- Prüfung der Systemrelevanz: Die Bundesnetzagentur und der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz müssen nun prüfen, ob das Kraftwerk für die Stabilität des Strom- und Wärmenetzes noch zwingend notwendig ist.
- Die finale Zustimmung: Erst wenn diese Behörden grünes Licht geben, darf der beschriebene zweistufige Prozess der Außerbetriebnahme offiziell starten.
Ein Blick in die Zukunft: Was passiert mit dem Standort?
Für uns Wedeler Bürgerinnen und Bürger ist die spannendste Frage natürlich: Was kommt nach der Kohle? Während Hamburg das Ziel verfolgt, bis 2030 kohlefrei und bis 2040 klimaneutral zu heizen, wird für das Gelände an unserer Elbfront bereits geplant.
Aktuell erarbeiten die Hamburger Energiewerke ein Nachnutzungskonzept für den Standort Wedel. Ein erster Entwurf hierfür soll bereits Ende dieses Jahres vorgestellt werden. Es bleibt also spannend, welche Impulse und Chancen dieses Projekt für unsere kommunale Entwicklung liefern wird.