Kreisumlage steigt: Wedel muss Millionen zusätzlich zahlen

Der Pinneberger Kreistag hat am 11. Dezember 2025 eine Entscheidung getroffen, die die Finanzplanung der kommenden Jahre maßgeblich beeinflussen wird. Mit der Verabschiedung des Nachtragshaushalts wurde der Hebesatz der Kreisumlage von bisher 29,5 % auf 31,5 % angehoben. Dieser Schritt ist eine Reaktion auf die prekäre Haushaltslage des Kreises, dem ohne Gegensteuerung ein finanzieller Kollaps drohte. Allein für das Jahr 2025 wird ein Fehlbetrag von 55,4 Millionen Euro erwartet, der im Jahr 2026 auf fast 86 Millionen Euro ansteigen könnte.

Hintergründe und ökonomische Ursachen

Die Kreisumlage ist das zentrale Instrument, mit dem Kreise ihren Finanzbedarf decken, da sie im Gegensatz zu Städten über keine eigenen bedeutenden Steuereinnahmen verfügen. Grundlage für die Zahlung ist die lokale Steuerkraft der Kommunen. Jede Steigerung der Gewerbe- oder Grundsteuereinnahmen vor Ort führt somit automatisch zu höheren Abführungen an den Kreis.

Die Ursachen für die aktuelle Schieflage sind vielschichtig. Als Hauptkostentreiber gelten explodierende Ausgaben in der Jugendhilfe sowie steigende Soziallasten. Ein strukturelles Problem ist dabei die Unterfinanzierung durch Bund und Land: Der Kreis leistet Transferzahlungen für Sozialleistungen, die jedoch nur zu etwa 75 % gegenfinanziert sind. Jährlich muss der Kreis Pinneberg daher rund 150 Millionen Euro aus eigenen Mitteln – also aus der Kreisumlage – zuschießen. Da die Finanzen im Kreis Pinneberg alarmierende Zahlen aufweisen, sah die Politik keine Alternative zur Erhöhung.

Auswirkungen auf die Stadt Wedel

Für die Stadt Wedel hat die Anhebung des Hebesatzes unmittelbare Konsequenzen. Jährlich entstehen der Stadt dadurch Mehrkosten von rund 1,1 Millionen Euro. Insgesamt wird Wedel im Jahr 2026 voraussichtlich 17,3 Millionen Euro an den Kreis abführen müssen. Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto bezeichnete den Beschluss als „fatalen Schlag“ für die Stadt.

Die Belastung trifft Wedel zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Stadt befindet sich bereits in einem harten Prozess zur Haushaltskonsolidierung 2028, um ein eigenes Defizit von prognostizierten 11,7 Millionen Euro für das Jahr 2026 abzufangen. Die zusätzliche Umlage konterkariert diese lokalen Sparbemühungen und schränkt den Spielraum für notwendige Investitionen in Schulen und Infrastruktur weiter ein. Da Wedel mittendrin in dieser fiskalischen Zange steckt, wächst der politische Druck im Rathaus.

Widerstand der Kommunen und rechtliche Aspekte

Gegen die Erhöhung regte sich bereits im Vorfeld geschlossener Widerstand auf kommunaler Ebene. 13 Bürgermeister und Amtsdirektoren unterzeichneten eine Resolution, in der sie forderten, dass der Kreis zunächst eigene Sparpotenziale voll ausschöpfen müsse. Kritisiert wurde insbesondere, dass der Kreis seine Rücklagen nahezu vollständig aufgezehrt hat und nun die Kommunen als Puffer nutzt.

Rechtlich unterliegt die Festsetzung der Kreisumlage dem Gebot der Rücksichtnahme. Der Kreis muss die Belange der Gemeinden gegen seinen eigenen Finanzbedarf abwägen. In anderen Bundesländern führten vergleichbare Fälle bereits zu erfolgreichen Klagen von Kommunen gegen zu hohe Umlagesätze. Sollte der Klageweg beschritten werden, müsste gerichtlich geprüft werden, ob der Kreis die Finanzlage der Städte bei seiner Abwägung ausreichend berücksichtigt hat.

Zusammenfassung
Die Erhöhung der Kreisumlage auf 31,5 % belastet den Wedeler Haushalt jährlich mit zusätzlich 1,1 Millionen Euro. Ursächlich für die Maßnahme ist ein strukturelles Defizit im Kreishaushalt, das vor allem durch unzureichend finanzierte Sozialleistungen und steigende Kosten in der Jugendhilfe entsteht. Für Wedel bedeutet dies eine erhebliche Erschwerung der laufenden Haushaltskonsolidierung bei gleichzeitig hohem Investitionsbedarf.

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    Da stimme ich Ihnen in weiten Teilen zu – insbesondere was die Notwendigkeit angeht, diesen „Schandfleck“ endlich sinnvoll zu entwickeln. Eine wirtschaftliche Nutzung mit dem Ziel, neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen zu generieren, ist aus Sicht der CDU absolut wünschenswert. Was mögliche Ansiedlungen wie DHL betrifft: Bisher liegen uns[…]
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    Fest steht, das das Gelände im jetzigen Zustand einen Schandfleck darstellt. Man sollte jede Möglichkeit nutzen, dort ein Unternehmen anzusiedeln. Wenn DHL in Wedel investieren möchte, wird doch sicherlich so etwas wie eine Machbarkeitsstudie existieren,auf die man aufbauen könnte. Es ist doch so: Ohne zusätzliche Steuereinnahmen kein Raum fü[…]
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