Viel Lärm um eine geschlossene Tür: Wie der Seniorenbeirat das Wedeler Rathaus „zurückeroberte“

In den vergangenen Wochen hätte man meinen können, im Wedeler Rathaus bahne sich ein Generationenkonflikt historischen Ausmaßes an. Das Thema: Der Seniorenbeirat und seine traditionellen Sitzungen am Mittwochnachmittag. Was als technisches Problem der Erreichbarkeit begann, schaukelte sich binnen kurzer Zeit zu einer emotionalen Debatte über die Wertschätzung des Ehrenamts und die Barrierefreiheit für (theoretische) Opernbesucher hoch.


Der „Rauswurf“, der keiner war

Der Stein des Anstoßes war simpel: Mittwochs schließt das Rathaus um 13:00 Uhr. Der Seniorenbeirat tagt aber traditionell erst um 14:30 Uhr. Die Verwaltung stellte fest: Wenn die Tür zu ist, ist die Sitzung nicht „öffentlich“ im Sinne der Gemeindeordnung. Und da der neue Sicherheitsdienst nach 13:00 Uhr Feierabend hat, könne man auch niemanden einfach so reinlassen – Sicherheit geht vor.

Die Wellen schlugen hoch. Von „Rauswurf“ war die Rede, und sogar der ehemalige Bürgermeister meldete sich via Facebook wortgewaltig zu Wort, um an den Stellenwert unserer Seniorinnen und Senioren zu erinnern. Helmut Steinke vom Seniorenbeirat konterte die bürokratischen Bedenken der Stadt (was ist mit blinden oder gehörlosen Gästen, die zu spät kommen?) mit einem herrlich pragmatischen Vergleich:

„Wer in der Oper zu spät kommt, kommt ja auch nicht rein.“

Bürokratie trifft auf gesundem Menschenverstand

Man sah sie förmlich vor sich: Die Heerscharen von spätberufenen, kognitiv eingeschränkten Analphabeten, die ausgerechnet an einem Mittwochnachmittag um 15:00 Uhr gegen die verschlossene Rathaustür hämmern, um der Debatte über Wartehäuschen an Bushaltestellen beizuwohnen.

Die Verwaltung blieb jedoch hart: Das Gesetz verlangt „vollumfängliche Teilhabe“. Und da das Budget für zusätzliche Türsteher-Einsätze am Mittwochnachmittag im Haushaltssicherungskonzept fehlt, schien die Front verhärtet.

Die Lösung: Ein Kalenderblatt weiter blättern

Doch während die politische Gerüchteküche noch brodelte und die Empörungsgruppen in den sozialen Netzwerken warmliefen, tat der Seniorenbeirat in seiner Sitzung am 25. Februar genau das, was man von erfahrenen Bürgerinnen und Bürgern erwartet: Er bewahrte die Ruhe.

Ganz ohne Pathos und ohne die Opernhäuser der Welt weiter zu bemühen, wurde ein Beschluss gefasst, der so logisch wie effektiv ist: Man tagt künftig einfach am Donnerstag.

Warum? Weil das Rathaus donnerstags ohnehin länger geöffnet hat. Die Türen sind auf, die Öffentlichkeit kann rein (auch wenn sie zu spät kommt), der Sicherheitsdienst ist im Dienst und das Gesetz ist zufrieden.

Fazit: Ende gut, Donnerstag gut

Die Verwaltung hat den Vorschlag prompt aufgegriffen und schlägt dem Rat nun die entsprechende Änderung der Geschäftsordnung für den 26. März vor.

Was lernen wir daraus? Manchmal ist die Lösung eines „unüberwindbaren Hindernisses“ nur einen Kreuzchen im Terminkalender entfernt. Der Seniorenbeirat bleibt im Rathaus, die Verwaltung hat ihre Rechtssicherheit und die Wedeler Demokratie hat bewiesen, dass sie auch ohne Security-Eskalation auskommt, wenn man einfach mal miteinander redet.

Ein bisschen weniger Aufregung hätte es am Anfang vielleicht auch getan – aber dann hätten wir ja nichts zu schmunzeln gehabt.

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