In der gestrigen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (HFA) kam es zu einer Diskussion, die tief blicken lässt. Kritisiert wurde, dass Wedel Marketing in seinem Jahresbericht die ehrenamtlichen Stunden der Helfer mit einem fiktiven Geldwert hinterlegt und den städtischen Zuschüssen gegenüberstellt.
Wer hier von „Schönrechnerei“ spricht, verkennt nach meiner festen Überzeugung den Kern der Sache. Diese Aufrechnung ist nicht nur legitim, sondern für eine transparente politische Bewertung zwingend notwendig.
Schluss mit dem Kleinreden
In den vergangenen Jahren war Wedel Marketing einer Kritik ausgesetzt, die ich oft als unsachlich und in Teilen sogar als destruktiv wahrgenommen habe. Es entstand ein Klima, in dem die beachtliche Leistung der vielen Freiwilligen – wir sprechen hier von mindestens 2.000 Stunden pro Jahr – oft nicht die Wertschätzung erfuhr, die sie verdient hätte.
Man gewinnt den Eindruck, dass hier eine Ära nachwirkt, in der das Verhältnis zwischen der ehemaligen Verwaltungsspitze und dem Verein von tiefem gegenseitigem Misstrauen geprägt war. Dieses politische Klima unter Ex-Bürgermeister Kaser hat meiner Meinung nach maßgeblich dazu beigetragen, dass die sachliche Arbeit des Vereins oft hinter persönlichen Vorbehalten und bürokratischen Grabenkämpfen verschwand. Diese Zeit der gegenseitigen Blockaden sollte endlich der Vergangenheit angehören.
Warum die Zahlen der Wahrheit entsprechen
Die Kritik an der Bilanzierung des Ehrenamts halte ich für politisch kurzsichtig. Der Jahresbericht macht deutlich:
- Die Hebelwirkung: Der städtische Zuschuss von netto 80.000 Euro bildet lediglich die Basis. Jeder Euro der Stadt wird durch Beiträge, Sponsoring und eben das Ehrenamt mindestens verdoppelt.
- Der wirtschaftliche Gegenwert: Die ehrenamtliche Arbeit wird im Bericht mit rund 50.000 Euro bewertet. Das ist kein „Spielgeld“. Würden diese Leistungen – etwa bei der Organisation des Weihnachtsmarktes – entfallen, müsste die Stadt diesen Wert entweder teuer einkaufen oder auf die Lebensqualität verzichten.
- Transparenzgebot: Es ist nur fair, wenn der Verein aufzeigt, dass der städtische Zuschuss im Jahr 2024 lediglich rund ein Drittel der Gesamtwirkung ausmachte.
Ein Signal für die Zukunft
Die Entscheidung der Politik, den Zuschuss befristet zu erhöhen, um personelle Kapazitäten für das Innenstadtentwicklungskonzept zu schaffen, ist ein richtiger Schritt. Wir sollten aufhören, bürgerschaftliches Engagement durch eine rein fiskalische Brille als „Luftbuchung“ zu diskreditieren.
Es ist Zeit für Respekt vor der Arbeit der 150 Mitglieder und der vielen Freiwilligen. Wedel braucht ein starkes Stadtmarketing – und das funktioniert nur mit Rückhalt aus der Politik und der Verwaltung, statt mit ständiger Haarespalterei über die Bewertung von Herzblut.