Der Jahresbericht 2025 der Stadtbücherei Wedel, der im kommenden Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport (BKS) vorgestellt wird, zeichnet das Bild einer stark frequentierten Einrichtung, die sich im Spannungsfeld zwischen wachsendem Zuspruch und strikten Sparvorgaben befindet. Die Stadtbücherei hat sich in den vergangenen Jahren von einer reinen Ausleihstation zu einem zentralen Aufenthaltsort entwickelt. Diese Neuausrichtung spiegelt sich deutlich in den Nutzungszahlen wider, stellt die Einrichtung vor dem Hintergrund der städtischen Haushaltskonsolidierung jedoch auch vor große Herausforderungen.
Wachsende Nutzungszahlen und Veranstaltungsrekorde
Die statistischen Kennzahlen des Jahres 2025 belegen die gesellschaftliche Relevanz der Einrichtung in Wedel:
- Die Zahl der Besucher*innen während der Öffnungszeiten stieg auf insgesamt 103.503 Personen an.
- Dies entspricht einem Zuwachs von rund 10.000 Personen im Vergleich zu den Vorjahren, was einem Durchschnitt von 415 Besucher*innen pro Tag entspricht.
- 6.203 Leser*innen nutzten ihre Büchereikarte aktiv, was einem Plus von 725 im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
- Zudem wurden 966 Neuanmeldungen verzeichnet.
- Insgesamt führte die Bücherei 993 Veranstaltungen durch, wovon sich 450 gezielt an Kinder und Jugendliche richteten.
Die europäische Publikumsumfrage Sentobib, an der 494 Personen in Wedel teilnahmen, untermauert die Bedeutung der Bücherei als Wohlfühlort, zeigte aber auch den deutlichen Wunsch der Bürger*innen nach längeren Öffnungszeiten, insbesondere an Wochenenden, auf.
Neue Förderkriterien und finanzielle Herausforderungen
Ein zentrales Thema für die künftige Ausrichtung und Finanzierung sind die geänderten Förderrichtlinien des Landesverbandes Bibliotheken SH e.V..
- Das neue Fördermodell, das 2026 in Kraft trat, gewichtet Kriterien wie Einzugsbereich, Entleihungen, Veranstaltungen, Öffnungsstunden und physische Besuche neu.
- Die Hauptaufgabe von modernen Büchereien wird durch den Fördermittelgeber zunehmend im Ausbau zum Aufenthaltsort gesehen.
- Analysen des Landesverbandes zeigen, dass kleinere Büchereien von dem neuen Modell profitieren, während größere Einrichtungen tendenziell benachteiligt werden.
- Um die Förderung von Personalkosten und Medienetat aufrechtzuerhalten, muss die Stadtbücherei Wedel folglich in allen Bereichen höhere Kennzahlen erzielen.
Dies führt zu einem Balanceakt: Einerseits steigen die Anforderungen des Fördermittelgebers, andererseits ist die Bücherei von den kommunalen Einsparungen im Zuge der Haushaltssanierung betroffen.
Ehrenamt und Förderverein als unverzichtbare Säulen
Aufgrund der begrenzten finanziellen Ressourcen der Stadt stützt sich die Bücherei zunehmend auf externes Engagement:
- Der Förderverein der Stadtbücherei übernimmt weite Teile der Veranstaltungskosten, wie etwa für Lesungen und Materialkosten bei Ferienprogrammen.
- Über 30 ehrenamtliche Helfer*innen unterstützen den Betrieb aktiv, unter anderem beim Medienflohmarkt, im Vorleseclub oder beim Einsatz des Lesehundes.
Schulbibliotheken im Fokus
Die Betreuung der Schulbibliotheken war im Jahr 2025 ebenfalls von der Haushaltssanierung geprägt. Nach dem Weggang von Mitarbeiterinnen in der Gebrüder-Humboldt-Schule (GHS) wurden zwei Stellen im Fachbereich Schule zum Jahresende nicht weiter besetzt. Diese personellen Lücken werden derzeit durch die Schulbibliothekarinnen der Stadtbücherei und den verstärkten Einsatz von Ehrenamtlichen aufgefangen, um die regulären Öffnungszeiten sowie die Schulbuchrückgabe und -ausgabe zu gewährleisten.
Modernisierung und Ausblick 2026
Um die Servicequalität weiter zu verbessern, hat die Stadtbücherei 2025 die neue App „mobilOPAC YourBib“ eingeführt, die eine vereinfachte Kontenverwaltung und einen digitalen Leseausweis bietet. Zudem präsentiert sich die Einrichtung mit einem neuen Logo und einem frischeren optischen Auftritt, um das Image verstaubter Bücherhallen abzulegen.
Für das Jahr 2026 kündigt die Büchereileitung weitere Maßnahmen zur Kosteneinsparung an, darunter die Umrüstung auf stromsparende LED-Beleuchtung und der vollständige Anschluss an das städtische WLAN. Das primäre Ziel bleibt es, trotz finanzieller Einschränkungen ein tragfähiges, modernes Angebot für die Wedeler Bürger*innen aufrechtzuerhalten.