Das Jahr 2024 im Kinder- und Jugendzentrum Wedel war geprägt von neuen Impulsen, vielfältigen Angeboten und einer engagierten Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Unter der neuen Leitung von Jülide Harder entwickelte sich das KiJuz weiter zu einem lebendigen Ort offener Kinder- und Jugendarbeit. Die zentrale Rolle des Hauses als Treffpunkt für junge Menschen wurde durch zahlreiche Projekte, regelmäßige Kurse, Ferienprogramme, Beteiligungsformate und Kooperationen sichtbar.
Zu den festen Programmpunkten zählten der „Offene Treff“, Schlagzeugunterricht, das beliebte Töpfern, gemeinsames Kochen und eine Zeichen- bzw. Graffitigruppe. Letztere bereitete in Kooperation mit Stadtteilakteuren die kreative Gestaltung von Stromkästen vor, ein Projekt, das wegen Krankheit verschoben wurde und 2025 wieder aufgenommen werden soll.
Große Beachtung fand die FLINTA-Gruppe*, die einen geschützten Raum für Mädchen, Frauen, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Personen bietet. Die Gruppe entwickelte sich aus einem Karaoke-Angebot heraus und organisierte eigenständig kreative, soziale und empowernde Aktivitäten. Begleitet von Fachkräften entstanden u. a. ein eigenes Logo, eine Tanzgruppe und Workshops zu Selbstverteidigung und TikTok-Backideen.
Ein Highlight war das Bekstraßenfest im Juni mit rund 300 Besucher:innen. Das Fest wurde gemeinsam mit Nachbar:innen und Kindern vorbereitet und umgesetzt. Ebenso erfolgreich verlief die „Nacht der Jugend“, bei der die JIMs-Bar des Jugendbeirats wieder mit alkoholfreien Cocktails vertreten war. Zu den weiteren Veranstaltungen zählten ein Besuch im Millerntorstadion, bei dem Kinder Stars wie Manuel Neuer erlebten, und die Ausrichtung eines internationalen Jugendtreffens mit Gästen aus Wedels Partnerstadt Caudry. Die jungen Gäste übernachteten im KiJuz und wurden in das Stadtleben eingebunden.
Auch die Ferienprogramme waren vielfältig: In zwei Sommerfreizeiten fuhren Gruppen nach Sylt, begleitet von ehrenamtlichen Betreuer:innen. Daneben wurden zwei Wochen Stadtranderholung in Wedel angeboten, bei denen die Kinder ihre Aktivitäten mitbestimmen konnten. Das Feedback war durchweg positiv – aber auch die strukturellen Herausforderungen wurden deutlich: Es fehlen zunehmend ehrenamtliche Kräfte, und kurzfristige Absagen verursachten Kosten. Zusätzlich wünschten sich Jugendliche später geöffnete Räume – freitags ist das KiJuz daher ab 2025 abends bis 22 Uhr geöffnet.
Partizipation wurde auf vielfältige Weise ermöglicht: durch selbstbestimmte Kioskorganisation, die „Goldene Box“ für Rückmeldungen und Mitgestaltung bei Raumkonzepten, Ferienplänen und Veranstaltungen. Dennoch zeigte sich auch: Viele Jugendliche nutzten das Haus lieber zur Entspannung statt zur Verantwortungsübernahme – ein Zeichen für hohe Alltagsbelastung.
Im Bereich der Kooperationen pflegte das KiJuz enge Zusammenarbeit mit Schulen, dem Jugendbeirat, Wedel.TV, sozialen Trägern und dem Stadtteilzentrum „mittendrin“. Besonders erwähnt wurden Schulprojekte wie ein Theaterkurs mit der Altstadtschule oder Bewerbungstrainings mit Schulsozialarbeiter Stephan Fürschütte. Der Bereich Streetwork war hingegen geschwächt: Die krankheitsbedingte Abwesenheit des Streetworkers wurde intern nur teilweise kompensiert, der Bedarf an niedrigschwelliger Unterstützung steigt.
Ein besonderes Ereignis war der Fachkräfteaustausch in Marseille, bei dem Jülide Harder an einem Workshop zu Schutzkonzepten bei internationalen Jugendbegegnungen teilnahm. Die Erkenntnisse sollen in künftige Projekte einfließen, auch mit Blick auf trilaterale Austauschformate mit Ländern außerhalb Europas.
Abschließend blickt das KiJuz positiv in die Zukunft. Für 2025 sind zahlreiche Ziele formuliert: u. a. der Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit, neue queere Treffformate, ein überarbeitetes Schutzkonzept, die Wiederbelebung des Wedeler Kinderparlaments sowie neue Räume und mehr politische Jugendbildung. Trotz begrenzter Mittel zeigt sich das KiJuz als engagiertes, modernes Zentrum, das junge Menschen ernst nimmt, unterstützt und stärkt.