Mit der aktuellen Diskussion um die Verlagerung des Wedeler Musikschulunterrichts in die Räume der weiterführenden Schulen stellt sich für viele Bürgerinnen und Bürger die Frage: Ist so ein Modell eigentlich normal? Ein Blick auf die Struktur der kommunalen Musikschulen in Schleswig-Holstein zeigt ein klares Bild.
In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt 22 öffentliche Musikschulen, die im Verband deutscher Musikschulen (VdM) organisiert sind. Wenn man sich deren räumliche Organisation ansieht, stellt man fest, dass die dezentrale Unterbringung in unserem Bundesland nicht die Ausnahme, sondern die absolute Regel ist.
Dezentrales Netzwerk statt zentraler "Musik-Tempel"
Reine "einhäusige" Musikschulen, bei denen der gesamte Unterricht konzentriert in einem einzigen, großen Gebäude stattfindet, sind in Schleswig-Holstein die Ausnahme. Zwar verfügen einige Städte wie Kiel oder Pinneberg über größere zentrale Einrichtungen, die Realität der musikalischen Bildung im Land sieht jedoch anders aus: Die 22 Musikschulen bieten ihren Unterricht an landesweit über 400 verschiedenen Standorten an.
In der Praxis bedeutet das eine umfassende Integration in die bestehende Bildungslandschaft:
- Es bestehen landesweit Kooperationen mit etwa 150 allgemeinbildenden Schulen.
- Zudem wird mit rund 100 Kindergärten und Kitas zusammengearbeitet.
Besonders bei den Kreismusikschulen zeigt sich diese Struktur sehr deutlich: Sie operieren fast ausschließlich dezentral in den Städten und Gemeinden des jeweiligen Kreises, während am Hauptsitz oft nur die Leitung und Verwaltung angesiedelt ist. Die Kreismusikschule Herzogtum Lauenburg unterrichtet beispielsweise an 34 Plätzen in 20 verschiedenen Orten.
Fazit für Wedel
Dass eine Musikschulverwaltung zentral sitzt, der Großteil des Instrumentalunterrichts aber dezentral am Nachmittag in den Räumlichkeiten von allgemeinbildenden Schulen stattfindet, ist in Schleswig-Holstein bewährter Standard. Eine solche Struktur ermöglicht es in vielen Kommunen überhaupt erst, ein flächendeckendes Angebot aufrechtzuerhalten.
Meine Meinung: Eine strukturelle Veränderung ist unumgänglich
Ich muss an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Der reine Wechsel von Räumlichkeiten, wie ihn die Verwaltung vorschlägt, greift aus meiner Sicht zu kurz. Eine grundlegende, strukturelle Veränderung bei unserer Musikschule ist dringend notwendig.
Wenn wir uns die nackten Zahlen ansehen, wird der Ernst der Lage sofort klar. Wedel leistet sich mit einem jährlichen Minus von 942.000 Euro nach der Landeshauptstadt Kiel (-1.209.700 Euro) den zweithöchsten städtischen Zuschussbedarf aller untersuchten Musikschulen in ganz Schleswig-Holstein. Wir liegen mit unserem Defizit damit sogar noch vor deutlich größeren Städten wie Norderstedt (-881.800 Euro) oder Flensburg (-792.200 Euro, gGmbH).
Besonders aufschlussreich ist jedoch ein anderer Vergleich: Zahlreiche Musikschulen in unserem Land, die durch Vereine (e.V.) betrieben werden, kommen mit einem Bruchteil dieser kommunalen Zuschüsse aus und bieten dennoch eine hervorragende musikalische Ausbildung an. Beispiele aus der direkten Nachbarschaft und vergleichbaren Städten belegen das eindrucksvoll:
- Musikschule Pinneberg (e.V.): -305.000 €
- Musikschule Neumünster (e.V.): -276.000 €
- Oldesloer Musikschule (e.V.): -288.800 €
- Musikschule Quickborn (e.V.): -172.000 €
- Musikschule Elmshorn (e.V.): -103.700 €
Diese Zahlen zeigen uns, dass musikalische Bildung auch mit deutlich geringerer Belastung für den städtischen Haushalt exzellent funktionieren kann. Wir können es uns angesichts unserer angespannten Haushaltslage schlichtweg nicht mehr leisten, die Augen vor diesen landesweiten Realitäten zu verschließen.
Wir müssen daher nicht nur über Gebäude sprechen, sondern über die Betriebsform selbst. Ich rege aus diesem Grund einen konkreten Prüfauftrag an die Verwaltung an: Es muss detailliert evaluiert werden, ob und wie die Musikschule Wedel – wie in vielen anderen Kommunen längst üblich und erfolgreich praktiziert – an einen externen Träger ausgegliedert werden kann.
Ob als eingetragener Verein (e.V.) oder als gemeinnützige GmbH (wie in Flensburg) – wir müssen diese etablierten Alternativen jetzt ernsthaft prüfen. Nur mit einer echten Strukturreform werden wir unser Ziel erreichen: Den städtischen Haushalt nachhaltig zu konsolidieren und gleichzeitig das wichtige musikalische Bildungsangebot für unsere Kinder und Jugendlichen in Wedel dauerhaft zu sichern.
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