"Asche auf mein Haupt" – beim Lesen des aktuellen SHZ-Artikels dachte ich noch, ich hätte doch auf meiner Seite längst von unseren Strategieworkshops berichtet. Ich schaute nach und musste feststellen: Nein, das habe ich nicht. Der Artikel in der SHZ fasst die unterschiedlichen Stimmungen nach dem ersten Treffen gut zusammen. Den dortigen Vorwurf der fehlenden Transparenz möchte ich zum Anlass nehmen, den Prozess aus meiner Sicht einzuordnen und einen Ausblick auf die anstehenden Aufgaben zu geben.
Die SHZ titelte am 3. November 2026 passend: "Quo vadis, Rolandstadt? Rettung für Pleitestadt Wedel gesucht: Warum der „Strategieworkshop“ nicht bei allen gut ankommt". Hier geht es zum vollständigen Artikel: shz.de – „Strategieworkshop“ in Wedel. Darin wird kritisiert, dass Politik und Verwaltung hinter verschlossenen Türen tagen, während inhaltlich über dicke Bretter wie die Haushaltslage und das 15,26 Millionen Euro schwere Bundes-Sondervermögen diskutiert wird.
Der Vorwurf der "verschlossenen Türen"
Den Vorwurf, dass solche Runden "hinter verschlossenen Türen" stattfinden, kann ich menschlich absolut nachvollziehen. Ich war beispielsweise einer derjenigen, der die Lenkungsgruppe, die eigentlich als Workshop zum Thema Haushaltskonsolidierung gedacht war, sich aber immer mehr zu einem Entscheidungsgremium entwickelte, einstellen wollte – was dann ja auch getan wurde. Auch das Kita-Kuratorium, in dem sich Vertreter der Politik, Verwaltung und der Kitas detailliert mit den Haushaltsanmeldungen beschäftigten, entwickelte sich immer mehr zu einem Entscheidungsgremium, das nicht nur Empfehlungen abgab, sondern auch direkt Änderungen an den Zahlen vornahm, die dann in den Haushalt einflossen. Auch dagegen wehrte ich mich.
Aber in der Praxis ist es schlichtweg nicht einfach, all diese grundlegenden strategischen Diskussionen in die regulären Ausschuss- und Ratssitzungen zu pressen. Dafür ist in den Sitzungen – die oft ohnehin schon bis in den späten Abend gehen – schlicht zu wenig Zeit. Meistens haben sich die Fraktionen in den formellen Sitzungen auch bereits ein festes Bild gemacht, sodass es durch die Diskussionen vor Ort zu wenig inhaltlichen Veränderungen oder echtem Brainstorming kommt. Man kann diese Workshop-Formate kritisieren, und sie dürfen formelle Beschlüsse niemals ersetzen. Einen besseren Weg, um fraktionsübergreifend überhaupt erst einmal eine gemeinsame Arbeitsgrundlage für solch komplexe Herausforderungen zu finden, kenne ich in der Praxis aber nicht.
Rückblick: Das passierte im ersten Workshop im September
Der erste fünfstündige Workshop am 18. September 2026 diente in erster Linie der Bestandsaufnahme. Angesichts der angespannten finanziellen Situation stand zunächst die strategische Ausrichtung der Stadt im Mittelpunkt. Wir haben uns intensiv mit den bisherigen strategischen Zielen und Handlungsfeldern befasst und mussten feststellen, dass eine Verzahnung zwischen Zielen und Finanzen trotz intensiver Bemühungen nach wie vor nicht gelungen ist. Zudem fehlen in den bisherigen Zielen bis 2028 wichtige aktuelle Themen wie Bevölkerungsschutz, Beteiligungsmanagement und die Wärmewende.
Ein zentraler Diskussionspunkt war auch das Sondervermögen. Ein Stimmungsbild ergab dabei die einstimmige Meinung der anwesenden Ratsmitglieder, kein Geld aus diesem Topf an externe Antragsteller zu vergeben, sondern die Mittel ausschließlich innerhalb des Konzerns Stadt Wedel für Vorhaben zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger zu verwenden. Hierzu soll die Verwaltung nun eine Übersicht erstellen, welche Investitionsmaßnahmen der letzten Jahre nicht berücksichtigt werden konnten, um dem Rat eine Entscheidungsgrundlage zu geben.
Ausblick: Die Agenda für den 13. November
Der Strategieprozess wird am 13. November 2026 von 15.00 bis voraussichtlich 21.00 Uhr fortgesetzt. Der Fahrplan für diesen zweiten Termin ist eng getaktet und inhaltlich sehr konkret:
- Ziele der Stadt Wedel: Wir setzen die Arbeit aus dem September fort. Zentrale Fragen sind, wieso wir unsere bisherigen Ziele nicht erreicht haben, und wie wir die vorhandenen Vorschläge für eine Vision für Wedel ab 2028 strukturieren können.
- Haushaltskonsolidierung: Die Weiterverfolgung der bekannten 30 Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung steht auf der Agenda, ebenso die Frage nach möglichen zusätzlichen Maßnahmen.
- Stadtwerke Wedel: Zum Schluss steht das Thema Stadtwerke auf dem Programm, um auch hier die strategische Ausrichtung als Gesellschafter zu diskutieren.
Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Die formellen und endgültigen Entscheidungen zu all diesen Themen werden selbstverständlich in den öffentlichen Ausschuss- und Ratssitzungen getroffen.
Ihr Jan Lüchau
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