Haushalt 2026: Wie groß ist das strukturelle Defizit wirklich?

Ein Defizit von fast 13 Millionen Euro

Der Haushaltsentwurf der Stadt Wedel für das Jahr 2026 weist ein geplantes Defizit von −12.923.300 Euro aus. Gegenüber früheren Planungen hat sich die Lage weiter verschärft. Ein wesentlicher Grund dafür liegt außerhalb des direkten Einflussbereichs der Stadt: Die Erhöhung der Kreisumlage belastet den Wedeler Haushalt zusätzlich mit rund 1,1 Millionen Euro jährlich. Umso wichtiger ist daher der Blick auf die Frage, in welchem Umfang die Stadt selbst durch Konsolidierungsmaßnahmen gegensteuert und wie belastbar diese Maßnahmen tatsächlich sind.

Was aktuell konkret zur Haushaltskonsolidierung geplant ist

In der Übersicht der Projektgruppen zur Haushaltssicherung (Stand 08.12.2025) werden zahlreiche Maßnahmen aufgeführt. Entscheidend ist jedoch nicht die Anzahl der Projekte, sondern die Frage, welche Einsparungen oder Mehrerträge tatsächlich konkret beziffert und zeitlich verortet sind.

Aus den Spalten „geplant in 2026“ und „geplant in 2027“ ergibt sich folgendes Bild:

  • Geplant in 2026: 3.934.500 Euro
  • Geplant in 2027: 4.438.400 Euro
  • Summe 2026–2027: 8.372.900 Euro

Diese Beträge umfassen ausschließlich Maßnahmen, die aktuell mit einer konkreten Zahl hinterlegt sind. Projektideen ohne bezifferte Wirkung oder mit offenem Zeithorizont sind hierin nicht enthalten.

Abgleich mit der ursprünglichen Haushaltssicherung 2028

Ein Vergleich mit der im März 2025 beschlossenen Haushaltssicherung 2028 zeigt eine deutliche Abweichung. Damals war vorgesehen, in den Jahren 2026 und 2027 deutlich höhere Ergebnisverbesserungen zu erzielen:

  • Geplant für 2026: 4.703.400 Euro
  • Geplant für 2027: 6.688.700 Euro
  • Summe 2026–2027: 11.392.100 Euro

Gegenüber dieser ursprünglichen Planung fehlen aktuell rund 3,0 Millionen Euro an konkret unterlegten Konsolidierungsbeiträgen. Diese Lücke erklärt sich nicht zwingend durch ein Scheitern einzelner Maßnahmen, zeigt aber, dass ein erheblicher Teil der damaligen Annahmen bislang noch nicht in belastbare Zahlen übersetzt wurde. Was zum einen an (noch) fehlenden Beschlüssen und zum anderen daran, dass die Zahlen von damals nicht korrekt bzw. als nicht realistisch anzusehen waren. 

Einmaleffekte verzerren das Bild

Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass der Haushaltsentwurf 2026ff Grundstücksverkäufe in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro auf der Ertragsseite enthält. Diese Einnahmen verbessern das Jahresergebnis rechnerisch, haben jedoch keinen strukturellen Effekt, da sie nicht dauerhaft wiederholbar sind.

Rechnet man diese Einmaleffekte heraus, fällt das tatsächliche strukturelle Defizit entsprechend höher aus, als es die formale Zahl im Haushaltsplan zunächst vermuten lässt.

Zwischenbilanz zur Haushaltslage

Zusammenfassend zeigt sich ein differenziertes Bild:

  • Das ausgewiesene Defizit 2026 beträgt fast 13 Mio. Euro.
  • Ein Teil der Verschärfung ist extern bedingt (Kreisumlage).
  • Die aktuell konkret geplanten Konsolidierungsmaßnahmen bleiben deutlich hinter den ursprünglichen Zielwerten zurück.
  • Einmaleffekte wie Grundstücksverkäufe überdecken einen Teil des strukturellen Problems.

Für die weiteren Haushaltsberatungen bedeutet das: Die Herausforderung liegt weniger in neuen Zielzahlen oder Programmen, sondern in der konsequenten Übersetzung bestehender Beschlüsse in dauerhaft wirksame, realistische und überprüfbare Maßnahmen.

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