Die vergangenen Wochen waren für die Wedeler Kommunalpolitik geprägt von intensiven Haushaltsberatungen, zusätzlichen Sitzungen und mehreren Entscheidungen mit langfristiger Tragweite. Zwischen Steuererhöhungen, Notfallausgaben und offenen Konsolidierungsfragen verdichtet sich ein Bild, das den finanziellen Handlungsdruck der Stadt deutlich macht.
Grundsteuer steigt, Einnahmestruktur gerät unter Druck
Der Rat der Stadt Wedel hat am 11. Dezember die Anhebung der Grundsteuer B von bislang 519 Prozent auf 630 Prozent ab dem Jahr 2026 beschlossen. Die Maßnahme soll Mehreinnahmen von rund 1,29 Millionen Euro pro Jahr bringen und ist Teil der aktuellen Haushaltsstrategie.
Grundsteuer B: Wieder mehr Geld – ohne die Ursachen zu lösen
Parallel dazu zeigt sich eine strukturelle Verschiebung auf der Einnahmenseite: Die Einkommensteuer ist inzwischen die wichtigste Einnahmequelle der Stadt. Problematisch ist jedoch der langfristig sinkende Verteilungsschlüssel. Wäre dieser noch auf dem Stand von 2005, lägen die Einnahmen heute im zweistelligen Millionenbereich höher. Dieser Umstand entzieht sich weitgehend dem kommunalen Einfluss, verschärft aber die Haushaltslage zusätzlich.
Entwicklung des Einkommensteueranteils in Wedel
Aufwandsentschädigungen: Sparvorschlag ohne Mehrheit
Aufgrund neuer landesrechtlicher Vorgaben mussten die Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Kommunalpolitiker neu geregelt werden. Die Verwaltung schlug eine Deckelung auf 55 Prozent der gesetzlichen Höchstsätze vor, um eine kostenneutrale Umsetzung zu gewährleisten.
Die CDU-Fraktion beantragte darüber hinaus eine Absenkung auf 48 Prozent, verbunden mit dem Ziel, einen eigenen Konsolidierungsbeitrag von rund 20.000 Euro jährlich zu leisten. Dieser Antrag fand im Rat jedoch keine Mehrheit. Alle anderen Fraktionen stimmten dagegen, sodass es bei der verwaltungsseitigen, kostenneutralen Anpassung bleibt.
Aufwandsentschädigungen in Wedel: CDU beantragt Absenkung
Notfall kurz vor Weihnachten: 1,7 Millionen Euro außerplanmäßig
In einer außerordentlichen Ratssitzung am 22. Dezember musste kurzfristig über die Bereitstellung von 1,7 Millionen Euro an überplanmäßigen Mitteln entschieden werden. Auslöser war unter anderem ein akuter Schimmelbefall an der Albert-Schweitzer-Schule, der eine sofortige Sanierung erforderlich machte. Allein hierfür wurden 500.000 Euro angesetzt, um den Schulbetrieb nach den Weihnachtsferien sicherzustellen.
Die Finanzierung erfolgt durch Mittelverschiebungen innerhalb des Haushalts, unter anderem aus Personalbudgets. Der Vorgang verdeutlicht, wie anfällig der städtische Haushalt inzwischen auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert.
Ratssitzung am 22. Dezember 2025
Badebucht: Fördermittel und Standortfrage
Parallel dazu treibt die Stadt die Planungen zur Zukunft der Badebucht Wedel voran. Wedel bewirbt sich um Bundesfördermittel von bis zu acht Millionen Euro für die Sanierung des Kombibads. Ein aktueller Stufenplan bestätigt zudem, dass der bestehende Standort für eine Schwimmhalle am geeignetsten ist. Alternative Flächen wurden geprüft, jedoch als unzureichend bewertet.
Auch ein Ausweichen des Schulschwimmens in Nachbarkommunen erweist sich in der Praxis als kaum umsetzbar, was den Handlungsdruck weiter erhöht.
Fördermittelantrag für die Badebucht: Was der HFA jetzt entscheiden muss
Sachstand Stufenplan Badebucht: Was Wedel jetzt prüft
Stadtwerke, Zuschüsse und freiwillige Leistungen
Weitere Beschlüsse betreffen städtische Beteiligungen und Zuschussstrukturen. Bei den Stadtwerken wird die Zusammenführung der bisherigen Aufsichtsräte zu einem Konzernaufsichtsrat geprüft. Uneinigkeit besteht bei der künftigen Gewinnausschüttung: Während die Stadt 50 Prozent anstrebt, empfiehlt der Aufsichtsrat 25 Prozent, um Investitionen nicht zu gefährden.
Für Wedel Marketing wurde eine neue Zuschussvereinbarung über 135.000 Euro jährlich für die Jahre 2026 bis 2028 auf den Weg gebracht. Bei der „Villa“ sollen durch eine Reduzierung von Sozialberatungsangeboten rund 70.000 Euro eingespart werden. Das Stadtteilzentrum „mittendrin“ bleibt hingegen im Bestand.
HFA-Sitzung Wedel: Stadtwerke-Beschlüsse im Überblick
Januar als Richtungsmonat für den Haushalt
Der Blick richtet sich nun auf den Januar. Dann soll der Doppelhaushalt 2026/2027 final beschlossen werden. Bereits jetzt ist absehbar, dass dieser Beschluss ohne weitere Konsolidierungsmaßnahmen kaum möglich sein wird.
Die bisherigen Entscheidungen zeigen: Steuererhöhungen allein werden die strukturellen Probleme nicht lösen. Unvorhersehbare Notfälle, wie zuletzt an der Albert-Schweitzer-Schule, machen deutlich, wie eng der finanzielle Spielraum geworden ist. Der kommende Monat wird daher zeigen, ob der Rat bereit ist, über kurzfristige Maßnahmen hinauszugehen und den Haushalt konsequent strukturell zu stabilisieren.
Abschließend wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch in ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr. Die kommenden Monate werden für Wedel politisch wie finanziell richtungsweisend sein und eine sachliche, verantwortungsbewusste Auseinandersetzung erfordern.