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Wedel vor harten Entscheidungen: Haushalt, Steuern und strukturelle Defizite

Jan Luechau 29. Dezember 2025
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Die vergangenen Wochen waren für die Wedeler Kommunalpolitik geprägt von intensiven Haushaltsberatungen, zusätzlichen Sitzungen und mehreren Entscheidungen mit langfristiger Tragweite. Zwischen Steuererhöhungen, Notfallausgaben und offenen Konsolidierungsfragen verdichtet sich ein Bild, das den finanziellen Handlungsdruck der Stadt deutlich macht.

Grundsteuer steigt, Einnahmestruktur gerät unter Druck

Der Rat der Stadt Wedel hat am 11. Dezember die Anhebung der Grundsteuer B von bislang 519 Prozent auf 630 Prozent ab dem Jahr 2026 beschlossen. Die Maßnahme soll Mehreinnahmen von rund 1,29 Millionen Euro pro Jahr bringen und ist Teil der aktuellen Haushaltsstrategie.

Grundsteuer B: Wieder mehr Geld – ohne die Ursachen zu lösen

Parallel dazu zeigt sich eine strukturelle Verschiebung auf der Einnahmenseite: Die Einkommensteuer ist inzwischen die wichtigste Einnahmequelle der Stadt. Problematisch ist jedoch der langfristig sinkende Verteilungsschlüssel. Wäre dieser noch auf dem Stand von 2005, lägen die Einnahmen heute im zweistelligen Millionenbereich höher. Dieser Umstand entzieht sich weitgehend dem kommunalen Einfluss, verschärft aber die Haushaltslage zusätzlich.

Entwicklung des Einkommensteueranteils in Wedel

Aufwandsentschädigungen: Sparvorschlag ohne Mehrheit

Aufgrund neuer landesrechtlicher Vorgaben mussten die Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Kommunalpolitiker neu geregelt werden. Die Verwaltung schlug eine Deckelung auf 55 Prozent der gesetzlichen Höchstsätze vor, um eine kostenneutrale Umsetzung zu gewährleisten.

Die CDU-Fraktion beantragte darüber hinaus eine Absenkung auf 48 Prozent, verbunden mit dem Ziel, einen eigenen Konsolidierungsbeitrag von rund 20.000 Euro jährlich zu leisten. Dieser Antrag fand im Rat jedoch keine Mehrheit. Alle anderen Fraktionen stimmten dagegen, sodass es bei der verwaltungsseitigen, kostenneutralen Anpassung bleibt.

Aufwandsentschädigungen in Wedel: CDU beantragt Absenkung

Notfall kurz vor Weihnachten: 1,7 Millionen Euro außerplanmäßig

In einer außerordentlichen Ratssitzung am 22. Dezember musste kurzfristig über die Bereitstellung von 1,7 Millionen Euro an überplanmäßigen Mitteln entschieden werden. Auslöser war unter anderem ein akuter Schimmelbefall an der Albert-Schweitzer-Schule, der eine sofortige Sanierung erforderlich machte. Allein hierfür wurden 500.000 Euro angesetzt, um den Schulbetrieb nach den Weihnachtsferien sicherzustellen.

Die Finanzierung erfolgt durch Mittelverschiebungen innerhalb des Haushalts, unter anderem aus Personalbudgets. Der Vorgang verdeutlicht, wie anfällig der städtische Haushalt inzwischen auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert.

Ratssitzung am 22. Dezember 2025

Badebucht: Fördermittel und Standortfrage

Parallel dazu treibt die Stadt die Planungen zur Zukunft der Badebucht Wedel voran. Wedel bewirbt sich um Bundesfördermittel von bis zu acht Millionen Euro für die Sanierung des Kombibads. Ein aktueller Stufenplan bestätigt zudem, dass der bestehende Standort für eine Schwimmhalle am geeignetsten ist. Alternative Flächen wurden geprüft, jedoch als unzureichend bewertet.

Auch ein Ausweichen des Schulschwimmens in Nachbarkommunen erweist sich in der Praxis als kaum umsetzbar, was den Handlungsdruck weiter erhöht.

Fördermittelantrag für die Badebucht: Was der HFA jetzt entscheiden muss

Sachstand Stufenplan Badebucht: Was Wedel jetzt prüft

Stadtwerke, Zuschüsse und freiwillige Leistungen

Weitere Beschlüsse betreffen städtische Beteiligungen und Zuschussstrukturen. Bei den Stadtwerken wird die Zusammenführung der bisherigen Aufsichtsräte zu einem Konzernaufsichtsrat geprüft. Uneinigkeit besteht bei der künftigen Gewinnausschüttung: Während die Stadt 50 Prozent anstrebt, empfiehlt der Aufsichtsrat 25 Prozent, um Investitionen nicht zu gefährden.

Für Wedel Marketing wurde eine neue Zuschussvereinbarung über 135.000 Euro jährlich für die Jahre 2026 bis 2028 auf den Weg gebracht. Bei der „Villa“ sollen durch eine Reduzierung von Sozialberatungsangeboten rund 70.000 Euro eingespart werden. Das Stadtteilzentrum „mittendrin“ bleibt hingegen im Bestand.

HFA-Sitzung Wedel: Stadtwerke-Beschlüsse im Überblick

Januar als Richtungsmonat für den Haushalt

Der Blick richtet sich nun auf den Januar. Dann soll der Doppelhaushalt 2026/2027 final beschlossen werden. Bereits jetzt ist absehbar, dass dieser Beschluss ohne weitere Konsolidierungsmaßnahmen kaum möglich sein wird.

Die bisherigen Entscheidungen zeigen: Steuererhöhungen allein werden die strukturellen Probleme nicht lösen. Unvorhersehbare Notfälle, wie zuletzt an der Albert-Schweitzer-Schule, machen deutlich, wie eng der finanzielle Spielraum geworden ist. Der kommende Monat wird daher zeigen, ob der Rat bereit ist, über kurzfristige Maßnahmen hinauszugehen und den Haushalt konsequent strukturell zu stabilisieren.

Abschließend wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch in ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr. Die kommenden Monate werden für Wedel politisch wie finanziell richtungsweisend sein und eine sachliche, verantwortungsbewusste Auseinandersetzung erfordern.

Zwei verlorene Orte: Was aus den "Lost Places" am Wedeler Ortseingang werden soll

Jan Luechau 21. November 2025
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Wer von Hamburg nach Wedel hineinfährt, begegnet zwei besonderen Orten – besonders im negativen Sinn. Direkt an der Rissener Straße liegen das ehemalige Possehl-Gelände und die leere Fläche der 2017 abgebrannten Diskothek "Mr. Pomeroy". Beide Flächen stehen seit Jahren leer. Beide prägen das Bild unserer Stadt an einer der sichtbarsten Stellen. Beide werfen Fragen auf: Was war hier früher? Und vor allem: Was kommt hier noch?

Der Schandfleck Possehl-Gelände: Vom Industrieareal zum politischen Dauerbrenner

Ich war selbst vor Ort. Die heruntergekommenen Fassaden, der Wildwuchs zwischen Beton und Rost, die eingeschlagenen Scheiben – das alles vermittelt ein Bild des Verfalls. Es ist kein übertriebenes Wort: Dieser Ort ist gruselig. Jahrzehntelang produzierte Possehl hier Elektronikbauteile, dann zog sich das Unternehmen zurück. Das ist auch schon über 20 Jahre her. Geblieben ist ein riesiges, ungenutztes Areal. Die Eigentümerfirma May & Co. versuchte sich an einem ambitionierten Plan: ein Mega-Edeka mit Kino und Self-Storage. Doch in der Wedeler Politik stieß das auf breite Ablehnung.

Die Gründe waren vielfältig:

  • Die Ausmaße des Vorhabens wurden als überdimensioniert für Wedel empfunden.

  • Die Verkehrsbelastung an der B431 würde zunehmen.

  • Die Innenstadtgeschäfte könnten durch den Einzelhandelsstandort am Stadtrand geschwächt werden.

  • Ein kleines Wäldchen auf dem Gelände wäre dem Parkplatzbau geopfert worden.

Der Stillstand schien programmiert. Doch nun gibt es Bewegung: Die Deutsche Post will auf dem Possehl-Gelände ein DHL-Logistikzentrum errichten. Das Vorhaben passt ins bestehende Planungsrecht – und stößt auf überraschend breite Zustimmung in der Wedeler Ratsversammlung.

Die SPD spricht von einem echten Gewinn für die Stadt: mehr Arbeitsplätze, mehr Gewerbesteuer, schnelle Umsetzung.
Die WSI zeigt sich sehr positiv und offen für konkrete Gespräche.
Die Linke bevorzugt DHL klar gegenüber dem alten Supermarkt-Kino-Plan.
Die Grünen bleiben vorsichtig und betonen: Ob DHL oder etwas anderes, das Wäldchen muss bleiben.
FDP und CDU sehen Informationsdefizite und fordern unabhängige Gutachten, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Es bleibt also spannend. Klar ist nur: Ein weiteres Jahrzehnt Stillstand wäre ein Armutszeugnis. Das Possehl-Gelände bietet eine reale Chance – für wirtschaftliche Nutzung, aber auch für kluge Stadtentwicklung.

Die Brandruine von einst: Die leere Stelle, wo mal das "Mr. Pomeroy" war

Gegenüber liegt der zweite Lost Place. Wer sich noch an das "Mr. Pomeroy" erinnert, weiß: Diese Diskothek war legendär. Eröffnet 1986, entwickelte sie sich zur großen Ausgehadresse für junge Menschen in Wedel und Hamburg. Später wechselten die Namen ("Maxx", "Viva Event Club"), das Publikum wurde kleiner, die Probleme größer. Lärm, Vandalismus, Polizeieinsätze bis hin zu städtisch bezahlter privater Security auf der Rissener Str. – das Gebäude sorgte für Diskussionen.

Dann, in der Nacht zum 25. Mai 2017: ein Großbrand. Das Feuer zerstörte den gesamten Komplex. Drei Männer standen wegen Brandstiftung vor Gericht – und wurden freigesprochen. Die Ursache blieb ungeklärt. Die Ruine wurde 2018 abgerissen. Seitdem: Nichts. Die Fläche liegt brach. Kein Konzept, kein Investor, keine Perspektive. Aktuell könnte man meinen ist es eine Lagerfläche für Schutt. 

Ich habe versucht, Kontakt zum Eigentümer aufzunehmen. Mehrfach. Eine Antwort habe ich nie bekommen. 

Was diese Orte über uns sagen

Beide Flächen zeigen exemplarisch, wie schwierig Stadtentwicklung sein kann, wenn Investoreninteressen, Naturschutz, Verkehrsfragen und politische Willensbildung aufeinandertreffen. Sie sind aber auch ein Spiegel unserer kommunalpolitischen Entscheidungsprozesse. Die verlorene Discofläche ist heute kaum noch Thema – zu klein, zu sperrig, zu unattraktiv für Investoren. Das Possehl-Gelände hingegen steht im Fokus.

Es ist gut, dass sich nun überhaupt etwas bewegt. Aber wir sollten dabei nie vergessen: Nicht jede Bebauung ist automatisch ein Gewinn. Und kein Konzept ist besser als ein schlechtes. Es braucht Augenmaß, Transparenz, und die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Zwei verlorene Orte am Ortseingang Wedels – vielleicht bald zwei Chancen für einen Neuanfang. Aber nur, wenn wir es richtig machen.

Neues Zentralkrankenhaus für den Kreis Pinneberg: Stand der Dinge

Jan Luechau 30. Oktober 2025
Keine Kommentare zu “Neues Zentralkrankenhaus für den Kreis Pinneberg: Stand der Dinge”

Die Regio Kliniken bündeln die heutigen Standorte Elmshorn und Pinneberg zu einem zentralen Gesundheitscampus in Pinneberg-Nord (Ossenpadd). Diese Übersicht fasst die aktuellen, öffentlich vorliegenden Informationen zusammen.

Ausgangslage

Politische Beschlüsse seit März 2022 haben den Weg für einen Neubau geebnet: Die krankenhausplanerische Zusammenlegung wurde am 25.05.2022 positiv beschieden. Zudem liegt eine grundsätzliche Förderzusage des Landes vor (Mai/Juni 2023). Der konkrete Fördermittelbescheid wird 2025/2026 erwartet. :contentReference[oaicite:0]{index=0} :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Eine vorangehende Wirtschaftlichkeitsprüfung zeigte, dass ein Neubau der parallelen Sanierung beider Häuser vorzuziehen ist. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

Standortentscheidung und Grundstück

Nach einem strukturierten Auswahlverfahren fiel die Standortentscheidung 2023 auf das Areal Ossenpadd in Pinneberg-Nord. Die Kaufverträge wurden 2024 notariell abgeschlossen. :contentReference[oaicite:3]{index=3}

Zeitplan und Prozess

Für 2025/2026 ist die „heiße Phase“ mit bauherrenspezifischen Themen, Funktions- und Raumprogramm sowie Vergabeunterlagen vorgesehen. Die Roadmap nennt unter anderem Beratungen in der AG Regio im Juni 2025, Vorlagenversand im September und politische Beratungen im Hauptausschuss im September/Oktober 2025. Langfristig ist die Realisierung bis in die Jahre 2027–2033 geplant. :contentReference[oaicite:4]{index=4}

Medizinisches Konzept (Kurzfassung)

Das medizinische Konzept (11.09.2025, Bartels Consulting) ist strategische Grundlage für Planung und Vergabe. Es basiert auf Leistungs- und Umfeldanalysen, Demografie, gesetzlichen Rahmenbedingungen und Expertengesprächen. :contentReference[oaicite:5]{index=5}

  • Ausrichtung: Ein zentraler, digitaler Campus mit sektorübergreifender Organisation und ausgebauten Tageskliniken. :contentReference[oaicite:6]{index=6}
  • Demografie + Nachfrage: Bevölkerungsanstieg bis 2035, höhere Anteile Ü65, leichte Zunahme Neugeborener; gleichzeitig Ambulantisierung und kürzere Verweildauern. :contentReference[oaicite:7]{index=7}
  • Leistungsspektrum (Auswahl): Viszeral-, Gefäß-, Thorax-, Wirbelsäulen- und Unfallchirurgie, Innere Medizin, Kardiologie, Pneumologie, Neurologie (neu), Gynäkologie/Geburtshilfe, Pädiatrie, Geriatrie, Hämato-Onkologie (neu) sowie mehrere Tageskliniken (u. a. Adipositas, Schmerz). :contentReference[oaicite:8]{index=8}

Kapazitäten (Projektion 2035): Somatik 625 Betten, Psychiatrie 126 Betten, Tageskliniken gesamt 179 Plätze (davon Somatik 57, Psychiatrie 122). :contentReference[oaicite:9]{index=9}

Psychiatrische Versorgung

Für die Erwachsenenpsychiatrie wird ein regionales Budget angestrebt. Ziel ist mehr Flexibilität, weniger stationäre Betten und der Aufbau zusätzlicher tagesklinischer Angebote an mehreren Orten im Kreis. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein regionales Budget nicht vorgesehen. :contentReference[oaicite:10]{index=10}

Finanzierung und Verträge

Die nicht durch Landesmittel gedeckten Projektkosten werden über ein Gesellschafterdarlehen finanziert. Kreistag und Gesellschafter haben Ende 2024 entsprechende Beschlüsse gefasst; die Vertragsdetails sind umgesetzt. :contentReference[oaicite:11]{index=11} :contentReference[oaicite:12]{index=12}

Gesellschaftsrechtliche Anpassungen einschließlich einer verlängerten Standortgarantie wurden notariell am 13.02.2025 beurkundet. :contentReference[oaicite:13]{index=13}

Bedeutung für die Region

Der Campus soll Versorgungsqualität und Patientensicherheit erhöhen, Personalgewinnung durch moderne Strukturen erleichtern und Nachhaltigkeitsziele im Bau berücksichtigen („Healing Architecture“, Energieeffizienz). :contentReference[oaicite:14]{index=14}

Was noch offen ist

  • Der formale Fördermittelbescheid des Landes (erwartet 2025/2026). :contentReference[oaicite:15]{index=15}
  • Ein Letter of Intent zur Verwendung der Bestandsgrundstücke der Alt-Standorte; der Prozess ist zurückgestellt bis nach finalen Finanz-/Förderentscheidungen. :contentReference[oaicite:16]{index=16} :contentReference[oaicite:17]{index=17}
  • Die Zuweisung der künftigen Leistungsgruppen durch das Land im Rahmen der KHVVG-Umsetzung, voraussichtlich 2028. :contentReference[oaicite:18]{index=18}

Quellen: Öffentliche Beschluss- und Controllingunterlagen des Kreises Pinneberg zur „Regio 2030“, Roadmap/Terminübersichten der AG Regio sowie die Kurzzusammenfassung des Medizinkonzepts (Stand: März–September 2025). :contentReference[oaicite:19]{index=19} :contentReference[oaicite:20]{index=20} :contentReference[oaicite:21]{index=21} :contentReference[oaicite:22]{index=22}

Abschaltung des Kohlekraftwerks Wedel – Eine unendliche Geschichte

Jan Luechau 17. Oktober 2025
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Das Kohlekraftwerk Wedel gehört seit Jahrzehnten zur Energieversorgung des Hamburger Westens – und ebenso lange zu den Streitpunkten der norddeutschen Energiepolitik. Eigentlich sollte der alte Meiler schon 2013 vom Netz gehen. Doch bis heute läuft er weiter, und ein Ende ist erst für Ende 2026 in Sicht. Wieder einmal hat sich die Stilllegung verzögert – wegen technischer Probleme, politischer Verantwortungsketten und mangelhaften Projektmanagements.

Vom Übergangskonzept zum Dauerprovisorium

Gebaut wurde das Kraftwerk in den 1960er-Jahren von den Hamburgischen Electricitäts-Werken (HEW). Seitdem liefert es Strom und vor allem Fernwärme für Hamburgs Westen. Nach der Rekommunalisierung des Fernwärmenetzes gehört die Anlage heute zu den Hamburger Energiewerken (HEnW). Ursprünglich war vorgesehen, sie 2013 abzuschalten – doch fehlende Ersatzkapazitäten verhinderten das. Der Neubau eines modernen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) direkt in Wedel wurde 2015 aufgegeben. Stattdessen entschied sich die Stadt für den Standort Dradenau auf der Elbinsel – als Teil des sogenannten „Energieparks Hafen“.

Dort soll künftig eine Kombination aus Gas- und Dampfturbine, industrieller Abwärmenutzung und erneuerbaren Wärmequellen die alte Kohle ersetzen. Doch auch dieser Ersatzbau steckt seit Jahren fest. Fehlerhafte Rohrleitungen, fehlerhafte Schweißarbeiten und verzögerte Fertigstellung des Generalunternehmers sorgten dafür, dass sich die Inbetriebnahme mehrfach verschob. Die Hamburger Energiewerke mussten inzwischen hunderte zusätzliche Monteure einsetzen, um überhaupt voranzukommen.

Verzögerungen und Kostenexplosion

Die Folge: Das Kraftwerk Wedel bleibt mindestens bis Ende 2026 in Betrieb – ein Jahr länger als geplant. Die Kosten für den neuen Energiepark sind auf rund 724 Millionen Euro gestiegen, rund 60 Prozent mehr als ursprünglich kalkuliert. Für die Öffentlichkeit bedeutet das: Hamburgs Wärmewende kommt nicht voran, und die Stadt bleibt länger auf Kohle angewiesen als versprochen.

Politische und rechtliche Verantwortung

Formell trägt die Verantwortung für das Projekt die Hamburger Energiewerke GmbH. Eigentümerin ist jedoch die Freie und Hansestadt Hamburg, vertreten durch die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) unter Führung der Grünen. Damit liegt die politische Verantwortung beim rot-grünen Senat. Die Opposition aus CDU und FDP spricht offen von einem „Prestigeprojekt, das zum Symbol für Fehlplanung geworden ist“.

Rechtlich haften die Auftragnehmer der HEnW – insbesondere der Generalunternehmer – für Baufehler und Verzögerungen. Ob Schadensersatzforderungen durchgesetzt werden, ist derzeit offen. Faktisch aber trägt die Stadt die finanziellen Risiken und die politische Verantwortung.

Klimaschutz auf Warteschleife

Für Umweltverbände ist der weiterlaufende Kohlemeiler ein Rückschritt. BUND und Greenpeace kritisieren, dass Hamburgs Ziel einer klimaneutralen Fernwärme bis 2030 gefährdet sei. Der „Sommerstillstand“ – also die Abschaltung in warmen Monaten seit 2025 – sei zwar ein symbolischer Schritt, ändere aber nichts am Grundproblem: Solange der Energiepark Hafen nicht fertig ist, bleibt Wedel Teil der Versorgung.

Fazit

Das Heizkraftwerk Wedel ist längst zum Symbol der deutschen Wärmewende geworden – ein Beispiel dafür, wie ambitionierte Zeitpläne an technischen Fehlern, politischer Trägheit und bürokratischer Verantwortungsteilung scheitern können. Nach aktuellem Stand soll der Betrieb Ende 2026 enden. Ob dieser Termin hält, bleibt abzuwarten.

Weiterführende Informationen

  • NDR: Kohlekraftwerk Wedel bleibt länger am Netz
  • MOPO: Energiewerke greifen zu drastischer Maßnahme
  • DorfStadt.de: Was die Verzögerung für Hamburg bedeutet
  • BUND Hamburg: Forderung nach klimafreundlicher Fernwärme
  • CDU Hamburg: Kritik an erneuter Verzögerung
  • Hamburger Energiewerke: Aktuelle Baufortschritte

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Klimapolitik mit Nebenwirkungen: Was Hamburgs Zukunftsentscheid für Wedel bedeutet

Jan Luechau 17. Oktober 2025
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Am Sonntag, den 12. Oktober 2025, haben die Hamburgerinnen und Hamburger beim Volksentscheid „Hamburger Zukunftsentscheid“ beschlossen, das Ziel der Klimaneutralität um fünf Jahre vorzuziehen – auf 2040 statt 2045. Damit zwingt der Entscheid Senat und Bürgerschaft, das Klimaschutzgesetz zu verschärfen und verbindliche CO₂-Budgets einzuführen. Es ist eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen, die Hamburgs politische und wirtschaftliche Prioritäten neu ordnet und zugleich große Belastungen nach sich ziehen dürfte.

Insgesamt waren 1.312.260 Hamburgerinnen und Hamburger wahlberechtigt. Ihre Stimme abgegeben haben 573.278, davon 303.936 mit „Ja“ und 267.495 mit „Nein“. Das bedeutet: Rund 739.000 Menschen haben nicht teilgenommen. Damit wurde das erforderliche Quorum erreicht, doch der Anteil der Nichtwählerinnen und Nichtwähler bleibt auffallend hoch. Der Zukunftsentscheid spiegelt also vor allem das Engagement einer aktiven Minderheit wider. Es ist ein starkes Signal für mehr Klimaschutz, aber auch ein Hinweis darauf, wie schwierig breite gesellschaftliche Zustimmung für tiefgreifende Maßnahmen zu erreichen ist.

Das neue Gesetz enthält keine konkreten Einzelmaßnahmen, sondern schafft einen engen Rahmen mit jährlichen CO₂-Obergrenzen und verbindlichen Reduktionsvorgaben bis 2040. Wird ein Ziel verfehlt, ist der Senat verpflichtet, kurzfristige Sofortprogramme zu beschließen, mit entsprechenden Eingriffen in Verkehr, Energie und Wirtschaft. Besonders betroffen sind der Verkehr, der Gebäudebestand und die Industrie. In der Stadt sollen Tempo-30-Zonen ausgeweitet und der Autoverkehr stark eingeschränkt werden. Öl- und Gasheizungen müssen vollständig ersetzt, das Gasnetz stillgelegt und viele Gebäude umfassend saniert werden. Der Aufwand ist enorm, und die praktischen wie finanziellen Folgen sind bisher kaum kalkulierbar.

Der Zukunftsentscheid soll soziale Ausgleichsmaßnahmen vorschreiben, doch ob diese reichen, ist ungewiss. Förderprogramme für Vermieter oder Härtefallregelungen für Mieter stehen unter Haushaltsvorbehalt. Branchenverbände warnen, dass die Kosten für Sanierungen und Heizungstausch am Ende dennoch auf die Bewohnerinnen und Bewohner abgewälzt werden. Auch die Verwaltung steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Die jährlichen CO₂-Bilanzen, Prüfverfahren und Sofortprogramme erzeugen einen massiven bürokratischen Aufwand, der zusätzliche Personal- und Finanzmittel bindet. Bereits heute ist absehbar, dass der Landeshaushalt über Jahre hinweg mit Milliardenbeträgen belastet wird.

In Hamburg selbst wird der Volksentscheid unterschiedlich bewertet. Befürworter sprechen von einem wichtigen Schritt für den Klimaschutz, Kritiker warnen vor wirtschaftlichen Schäden und sozialer Schieflage. Besonders die energieintensive Industrie im Hafen, in der Metallverarbeitung und Logistik sieht sich unter Druck. Höhere Energiekosten und strengere Auflagen könnten zur Abwanderung von Betrieben führen, mit Folgen für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Auch der Wohnungsmarkt steht vor Problemen: Die Sanierungspflichten erhöhen die Baukosten, gleichzeitig steigen die Mieten. Damit wächst das Risiko, dass Menschen mit geringem Einkommen aus der Stadt verdrängt werden.

Die Folgen des Zukunftsentscheids werden nicht an der Stadtgrenze enden. Die gesamte Metropolregion wird betroffen sein, besonders das Hamburger Umland in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Fachleute und Medien weisen auf eine Reihe indirekter, teils problematischer Nebenwirkungen hin, die bereits jetzt absehbar sind.

Verkehrsverlagerung und Pendlerproblematik
Durch strengere Klimavorgaben – etwa flächendeckendes Tempo 30, mögliche City-Maut oder Parkraumbeschränkungen – könnten mehr Menschen ins Umland ziehen, um dort günstiger und flexibler zu wohnen. Das kann paradoxerweise zu mehr täglichem Verkehr führen. Der öffentliche Nahverkehr im HVV-Großraum ist schon heute stark ausgelastet. Ohne parallelen Ausbau droht das schleswig-holsteinische Netz an seine Grenzen zu kommen. Schleswig-Holstein müsste künftig stärker in Park-and-Ride-Zentren und Umstiegsstationen investieren, oft ohne finanzielle Beteiligung Hamburgs.

Infrastrukturkosten und Planungslast im Umland
Wächst die Bevölkerung im Umland, steigen die Anforderungen an kommunale Infrastruktur, wie Schulen, Straßen, Energieversorgung und ÖPNV. Besonders Städte wie Wedel oder Pinneberg könnten dadurch spürbar belastet werden. Zusätzliche Bau- und Planungskosten würden die kommunalen Haushalte über Jahre hinaus strapazieren. Während Hamburg seine Klimaziele verschärft, bleiben viele der praktischen Folgekosten auf Seiten der Nachbarkommunen hängen.

Regionale Wirtschaft und Fachkräfte
Bau- und Handwerksbetriebe aus Schleswig-Holstein werden verstärkt nachgefragt, um Hamburger Sanierungsprojekte zu realisieren. Das kann regionale Bauvorhaben verzögern und verteuern. Gleichzeitig müssen viele Zulieferer und Logistikunternehmen strengere Umweltauflagen erfüllen, was zu steigenden Kosten in Transport und Zwischenhandel führt. Der ohnehin bestehende Fachkräftemangel dürfte sich dadurch weiter verschärfen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit im Umland schwächen.

Preis- und Wohnflächendruck
Durch die Verteuerung des Wohnens in Hamburg werden immer mehr Familien ins Umland ausweichen. Das treibt die Immobilienpreise in Städten wie Wedel, Schenefeld oder Pinneberg in die Höhe. Kommunen stehen damit unter Druck, neues Bauland auszuweisen, was wiederum klimapolitisch problematisch ist,  etwa durch zusätzliche Flächenversiegelung und steigende Infrastrukturkosten. Die Klimaziele Hamburgs drohen so, im Umland neue ökologische Zielkonflikte auszulösen.

Unterschiede zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein
Beide Länder streben Klimaneutralität bis 2040 an, gehen aber sehr unterschiedliche Wege. Während Hamburg verschärft, ringt Schleswig-Holstein mit den Nebenwirkungen. Das Land setzt auf technologische Lösungen wie Windenergie und grünen Wasserstoff, Hamburg dagegen auf Auflagen, Vorschriften und Verbote. Daraus entsteht ein wachsender Spannungsbogen: Das Umland agiert als Energieproduzent und Innovationsstandort, Hamburg als Regulierer. Ohne abgestimmte Strategie drohen Doppelstrukturen bei Netzen, Speicherprojekten und Förderprogrammen und damit Reibungsverluste, die die gesamte Metropolregion treffen.

Die Nebenwirkungen der Hamburger Klimapolitik für das Umland sind also komplex. Mehr Wohnraumnachfrage, Pendlerverkehr, Fachkräftemangel und steigende Infrastrukturkosten sind wahrscheinlich, wenn Hamburg seine Ziele ohne Abstimmung mit den Nachbarkreisen umsetzt. Schleswig-Holstein droht dabei zum Pufferraum für Hamburger Klimapolitik zu werden. Mit wachsendem Druck auf Kommunen, Grundstücksmärkte und Verkehrsnetze. Die Verantwortung für Ausgleich und Koordination liegt nun klar bei Hamburg.

Für Wedel ist die Entscheidung Hamburgs ein Weckruf, aber kein Grund zum Jubel. Die Stadt wird die Folgen des Zukunftsentscheids in vielen Bereichen spüren: beim Verkehr, beim Wohnungsdruck und bei den Kosten öffentlicher Aufgaben. Gleichzeitig eröffnet sich die Chance, durch Kooperation und vorausschauende Planung eigene Spielräume zu sichern. Doch klar ist: Wenn Hamburgs Kurs zu schnell oder zu einseitig umgesetzt wird, geraten Nachbarkommunen unter Druck, ohne dass sie ausreichend Einfluss auf die Entscheidungen nehmen können.

Der Hamburger Zukunftsentscheid markiert damit einen Wendepunkt. Er steht für ehrgeizige Ziele, aber auch für erhebliche Risiken. Zwischen ökologischer Verantwortung, wirtschaftlicher Realität und sozialer Belastbarkeit wird Hamburg künftig einen schwierigen Balanceakt leisten müssen. Die Nachbarkreise und besonders Städte wie Wedel, werden diesen Kurs mittragen müssen, ob sie wollen oder nicht.

Am Ende steht die Frage, ob Hamburg Vorbild oder Warnung wird – für seine Nachbarn, für die Region und vielleicht für das ganze Land.

Quellen (Auswahl):
[1] NDR, „Zukunftsentscheid: Hamburger stimmen für mehr Klimaschutz“, 13.10.2025
[2] Handelsblatt, „Klimaschutz: Was die Hamburger Wirtschaft über Klimaneutralität 2040 sagt“, 13.10.2025
[3] Welt, „Hamburger Zukunftsentscheid – ein Schnellschuss, der Hamburg mehr schadet als nützt“, 14.10.2025
[4] Schleswig-Holstein.de, „Energiewende- und Klimaschutzgesetz (EWKG)“, 2025
[5] Metropolregion Hamburg, „Klimaziele und regionale Auswirkungen“, 2024

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